Wissensdimensionen der HybrIDD-Veranstaltung
Unter den Wissensdimensionen fassen wir Merkmale, in deren Rahmen Gestaltungsentscheidungen zu Lehrformaten, Lehr-Lern-Zielen, Lerninhalten und Lernzeiten und für den HybrIDD-Raum getroffen werden.
- Lehr-Lern-Ziele verstehen wir als didaktisch angestrebte Ziele, welche auf die Aneignung von Wissen, Fertigkeiten oder Einstellungen ausgerichtet sein können.
- Zu Lehrformaten zählen wir u.a. Vorlesungen, Seminare oder Übungen, die jeweils spezifische strukturelle Eigenschaften aufweisen: Während Seminare als diskursiv und Übungen als praxisnah charakterisiert werden, eignen sich Vorlesungen dazu, eine große Anzahl von Studierenden in ein Themengebiet einzuführen.
- Daneben ist festzulegen, was gelernt werden soll. Dazu muss Wissen aufbereitet, strukturiert und sequenziert und den Studierenden als Lerninhalt zur Verfügung gestellt werden.
- Schließlich gilt es auf Lernzeiten einzugehen. Unter dieser verstehen wir einerseits die Zeit, die von Lehrenden für bestimmte Aktivitäten eingeplant wird. Andererseits begreifen wir darunter auch die von den einzelnen Studierenden subjektiv unterschiedlich erlebte Zeit.
"Professionelles Handeln in der [Lehre stellt] unter den Bedingungen einer hybrid-flexiblen Gestaltung von Lehr- und Lernprozessen große Ansprüche an situatives Agieren, aber auch an Planungswissen [...], das insbesondere für die Antizipation von unvorhergesehenen Ereignissen wichtig ist."
(Assinger & Gruber, 2022, S. 95-96)
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Synchron-hybride Lehr-Lern-Settings bedürfen auf der einen Seite einer guten didaktischen Planung. Schließlich müssen nicht bloß Entscheidungen zu Lehrformaten, Lehr-Lern-Zielen oder Lerninhalten getroffen werden. Darüber hinaus ist es wichtig, sich gut zu überlegen, wie viel Interaktion in den synchron-hybride Lehr-Lern-Settings umgesetzt werden soll und welche Methoden und Sozialformen translokal (also gemeinsam von online und vor Ort-Teilnehmenden) durchgeführt werden sollen. Helfen können Planvorlagen (siehe "Materialien zur weiteren Nutzung" weiter unten), die bei der Feinplanung einzelner Sitzungen unterstützen. Auf der anderen Seite bedarf es einer gewissen methodisch-didaktischen Flexibilität, auf Unvorhergesehenes eingehen zu können. So kann sich insbesondere in synchron-hybride Lehr-Lern-Settings, bei denen die Studierenden von Sitzung zu Sitzung entscheiden können, wie sie teilnehmen möchten (online oder vor Ort), der Anteil der vor Ort- bzw. online Teilnehmenden von Sitzung zu Sitzung verändern. Dies hat wiederum Auswirkungen auf didaktische (Un)Möglichkeiten, wie etwa die Durchführung von Gruppenarbeiten, wenn etwa nur eine Person online teilnimmt. Hier raten wir zu einer Abfrage des jeweiligen Teilnahmemodus (online oder vor Ort) vor jeder Sitzung (siehe ebenfalls "Materialien zur weiteren Nutzung").
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Da die hybride Durchführung von Lehrveranstaltungen für die Studierenden zunächst oftmals unvertraut ist, bedarf es einer Heranführung, etwa in Form eines Trainings (siehe soziales Setting), im Zuge derer über die "Stolperfallen", aber auch Vorteile synchron-hybrider Lehr-Lern-Settings gesprochen wird. In der Navigation durch ein synchron-hybrides Lehr-Lern-Setting hilft es Studierenden außerdem, wenn die einzelnen Sitzungen wiederkehrend einer ähnlichen Struktur folgen (z.B. immer eine Begrüßung, dann Input, dann Gruppenarbeiten o.Ä.) und insgesamt eine "öffentliche Didaktik" angewendet wird, sprich, dass didaktische Entscheidungen begründet werden.
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Insbesondere für die ortsübergreifende Zusammenarbeit, etwa in Gruppenarbeiten, bei denen online und vor Ort-Teilnehmende gemeinsam an einer Aufgabenstellung arbeiten, empfiehlt sich ein gemeinsamer „Ort“ (z.B. eine Lernplattform), in welchem Lerninhalte, Aufgaben oder Arbeitsaufträge allen zugänglich gemacht werden. So lässt sich insbesondere auf Seite der online Teilnehmenden Verwirrung und ein Gefühl des Alleingelassen-Werdens mindern.
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Schließlich haben wir festgestellt, dass es wichtig ist, auf das unterschiedliche Erleben von Lernzeit durch die vor Ort- und Online-Teilnehmenden einzugehen. So bedürfen online Teilnehmende etwa mehr Pausen, um ihre Konzentrationsfähigkeit aufrechtzuerhalten oder einer didaktischen Adressierung von Körperlichkeit. Letzteres kann etwa in Form von "Energizern" in den Pausen erfolgen, im Zuge derer die online Teilnehmenden aufstehen und körperlich aktiv werden müssen.
Von Lehrpersonen für Lehrpersonen: Tipps zur Gestaltung von synchron-hybriden Lehr-Lern-Settings
Wir haben Lehrpersonen an der Professur für Erwachsenenbildung/Weiterbildung gefragt, welche Empfehlungen sie anderen Dozierenden in der didaktisch-methodischen Gestaltung synchron-hybrider Lehr-Lern-Settings geben:
Über die didaktische Feinplanung hinaus (Planung der Lehr-Lern-Ziele, Lerninhalte usw.) müssen Lehrpersonen aber ebenso didaktisch motivierte Entscheidungen treffen, welche sich gesondert auf die hybride Durchführung der Lehrveranstaltung beziehen. Diese haben wir folgende Reflexionsfragen erarbeitet, die Lehrpersonen in der Gestaltung ihrer synchron-hybriden Lehr-Lern-Veranstaltungen unterstützen können.
| Zielsetzung | Zu welchem Zweck soll eine Lehrveranstaltung hybrid durchführt werden? (z.B. Förderung von Internationalität) |
| Zeitliche Konzeption | Wie oft und wie lange (einmalig, mehrmals oder über das ganze Semester) soll die Lehrveranstaltung hybrid durchgeführt werden? |
| Kursgröße und Zusammensetzung der Teilnehmenden | Wie viele Studierenden werden insgesamt teilnehmen, wie viele davon online und wie viele vor Ort? |
| Beteiligte Personen | Werde ich alleine oder im Tandem mit einem Kollegen unterrichten? Gibt es eine Person, die mich bei der medientechnischen Einrichtung unterstützt? |
| Orte | Von wo aus nehmen die Beteiligten (Studierende, Dozenten oder externe Experten) teil? (z.B. von zuhause, von einer anderen Universität, aus dem Ausland, etc.)? |
| Grad der Interaktion | Wie viel Interaktion soll ermöglicht werden? |
| Komplexität der medientechnischen Umsetzung | Welche Medientechnologie ist verfügbar? Wie komplex soll der medientechnische Aufbau sein? |
| Grad der Ko-Kreation durch die Studierenden | Wie können die Studierenden in die Durchführung der hybriden Lehre einbezogen werden? |
Breitschwerdt, L.; Hümmer, C.; & Egetenmeyer, R. (2025). Umsetzung synchron-hybrider Settings an Hochschulen. Ein Erfahrungsbericht zur Ermöglichung ko-kreativer synchron-hybrider Lehr-Lern-Settings im Hochschulkontext. In Schmidt-Lauff S. (Hg.), (Transformative) Digitale Kompetenzen – Entwicklungen für Hochschule, Studium und Gesellschaft (S. 235-263). Wbv. 10.3278/I78625W011
Hümmer, C., Egetenmeyer, R., Breitschwerdt, L., Oliver, E., & Flecha, R. (2025). Forms of synchronous hybrid learning spaces in higher education – A type-building qualitative content analysis. Computers & Education. Advance online publication. https://doi.org/10.1016/j.compedu.2025.105440
Hümmer, C. & Egetenmeyer, R. (2025). More than just a question of media technology? The design of Synchronous Hybrid Learning Spaces: A literature review on current empirical findings in the German higher education landscape. Studies in Adult Education and Learning, 31(2), 1-22. https://doi.org/10.4312/as/22359
Schmidt-Lauff, S., Breitschwerdt, L., Egetenmeyer, R., Hassinger, H., Hümmer, C., Miller, M., Rathmann, M., Rosemann, T., Schasse de Araujo, B., Schiller, J. & Schubert, J. (2025). Zeit und Raum im Kontext digitaler Bildung: Gedankensplitter zu temporalen, digitalen, virtuellen und hybriden Phänomenen von Lehren und Lernen. In S. Schmidt-Lauff (Hrsg.), (Transformative) Digitale Kompetenzen – Entwicklungen für Hochschule, Studium und Gesellschaft. (S. 319-364) wbv Publikation. https://doi.org/10.3278/I78625W013
Breitschwerdt, L.; Hümmer, C. & Egetenmeyer, R. (2024). Gestaltungsanforderungen hybrider Settings in der Hochschullehre aus der Perspektive von Studierenden. Bildungsforschung. 30(1). https://doi.org/10.25539/bildungsforschung.v30i1.1029
Foraster, M. J.; Egetenmeyer, R.; Soler-Gallart, M.; de Aguileta, A. L.; Flecha, R. (2023). Dialogic teaching beyond words. Multidisciplinary Journal of Educational Research, 13(3), 313–324. https://doi.org/10.17583/remie.12867



