piwik-script

Intern
Nachwuchsförderzentrum für Juniorinnen

MainPost berichtet über das Nachwuchsförderzentrum

21.05.2014

Fußball-Förderzentren gibt es in der Region einige, private ebenso wie vom Verband offiziell organisierte – jetzt ist an der Würzburger Universität ein weiteres dazugekommen. Eines, das es so bisher noch nicht gab. Wissenschaftler und Vereinsverantwortliche, Forscher und junge Sportlerinnen wollen den Mädchenfußball in Mainfranken voranbringen: Mit einem neuen Nachwuchs-Förderzentrum (NFZ).

Im Gegensatz zu bereits installierten Nachwuchsförderzentren im Jungenbereich ist zwar der Bayerische Fußball-Verband (BFV) bei diesem Projekt nicht mit im Boot, nichtsdestotrotz versprechen sich die Initiatoren viel von ihrem Projekt. Dafür investieren die Uni und die beteiligten Vereine Wissen, Personal und Zeit.

Es ist ein bisher einmaliges Projekt, das da an der Würzburger Universität gestartet wurde und von dem sowohl die Wissenschaft als auch der Sport profitieren sollen – genauer gesagt der Mädchenfußball. Im Mittelpunkt steht aus sportlicher Sicht die individuelle Förderung des weiblichen Nachwuchses in der Region. „Wir wollen talentierte Mädchen mehr zum denken und spielen erziehen“, sagt Gernot Haubenthal, ehemaliger Trainer beim Frauen-Zweitligisten ETSV Würzburg, der als verantwortlicher Übungsleiter eine der Hauptpersonen des Projekts ist. „Das ist aber als Ergänzung zu der Arbeit angelegt, die in den Vereinen geleistet wird.“ Da freilich kann nicht jede Nachwuchshoffnung gezielt individuell gefördert werden. Das soll beim wöchentlichen Zusatztraining – derzeit für die Jahrgänge 2001 bis 2004 – auf dem Uni-Sportgelände am Hubland immer dienstags von 17 bis 18.15 Uhr geschehen, das neben Haubenthal auch von Uni-Mitarbeitern und aktiven Fußballerinnen oder Leistungssportlern geleitet wird. Zur Premiere kamen 23 Mädchen. „Wer noch Interesse hat, kann gerne dazu kommen.“

Positive Resonanz bei den Vereinen

Der sportliche Ansatz ist also klar, und bei vielen Vereinen bereits auf positive Resonanz gestoßen: Neben dem ETSV sind auch der SV Veitshöchheim sowie die Landesligisten TSV Lengfeld, TSV Gerbrunn und SC Heuchelhof im Boot. „Alle waren sofort Feuer und Flamme“, bestätigt SCH-Jugendleiter Heinz Reinders. Der ist gleichzeitig Bildungsforscher an der Universität und gemeinsam mit Olaf Hoos einer derer, die das Projekt aus wissenschaftlicher Sicht beäugen: Sind motorische und soziale Unterschiede im Fußball abbildbar? Wie kann eine Geschlechter-spezifische Förderung für Mädchen aussehen, was ist sinnvoll, was effizient? „Viele Mädchen trainieren in den Vereinen ja lange mit Jungs zusammen. Obwohl sie talentiert sind, können sie sich aber meist wegen der körperlich verschiedenen Voraussetzung nicht richtig durchsetzen“, weiß Reinders.

Intensive Förderung ergänzt Vereinstrainings

Reines Mädchentraining soll da Abhilfe schaffen, wenngleich es den Initiatoren um weit mehr geht: „Wir wollen die Bewegungsintensität fördern. Die Mädchen sollen bestimmte Spielsituationen erkennen und entsprechend auf dem Platz handeln“, erklärt Hoos. Dazu werden bestimmte Spielformen kreiert, etwa auf einem kleineren Feld. Fußballerisches Können, die Förderung der koordinativen Fähigkeiten, der Spielintelligenz sowie der Persönlichkeit per sportartenübergreifendem Ansatz sind die Ziele. „Diese intensive Form der Förderung können die Vereine im täglichen Trainingsbetrieb meist gar nicht leisten. Hier sind die Besten aus den Klubs zusammengezogen und werden auf einem hohen Level gefördert.“ Durch permanente Auswertung der Trainingseinheiten sollen auch sportwissenschaftlich neue Erkenntnisse gewonnen werden, die dann auch in den normalen Trainingsbetrieb der Vereine einfließen könnten. 

Netzwerkgedanke steht im Mittelpunkt

Denn auch Vereinstrainer sollen an dem Uni-Stützpunkt fortgebildet werden, etwa durch regelmäßige Workshops. „Der Netzwerkgedanke ist uns wichtig. Der Austausch bringt alle voran. Letztlich geht es immer um die Spielerinnen und nicht um einen bestimmten Verein“, stellt Reinders klar, der aber alle Klubs in der Region zum Mitmachen einlädt. Angelegt ist das Projekt zunächst bis zu den Sommerferien. „Quasi als Aufwärmphase“, so Reinders. „Aber es soll dann schon dauerhaft installiert werden. Ich bin sicher, das Projekt wird uns überleben.“ Bis dahin freilich ist es noch ein langer Weg, auf dem sport- und bildungswissenschaftlich Erkenntnisse gewonnen und der Mädchenfußball in der Region weiter vorangebracht werden sollen.