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    Nachwuchsförderzentrum für Juniorinnen

    Ego-Shooter für Sechsjährige?

    12/09/2018

    In der neuesten Ausgabe von „Fußballtraining Junior“ präsentiert der DFB Videospiele als Vorlage für Trainingsformen in der Halle und will auf diese Weise den Nachwuchs motivieren. Das ist eine gute Idee, solange nicht für Ego-Shooter mit USK12 oder USK16 geworben wird – ab der G-Jugend.

    Von Heinz Reinders, Diplom-Pädagoge und Bildungsforscher

    Es ist ein üblicher, kleiner pädagogischer Trick. Wenn das Memory-Spiel mit Zahnpasta und Apfelsinen für die neue Generation nicht mehr attraktiv ist, dann werden auf die Mischkärtchen Motive aus beliebten Kinofilmen oder Videospielen gedruckt. So wird ein klassisches und im Übrigen für die Entwicklung von Kindern tolles Spiel wieder attraktiv gemacht.

    Stellt sich nur die Frage, ob hierzu jede Vorlage geeignet ist. Kaum vorstellbar, dass Ravensburger Motive von „The Purge“ oder „Insidiuos“ auf ihre Memories drucken würde, um die Verkaufszahlen zu erhöhen. Schließlich gehören solche Motive aus gutem Grund nicht in die Hände von Sechsjährigen.

    Um so erstaunlicher, dass der DFB in seiner jüngsten Ausgabe des Magazins „Fußballtraining Junior (ft junior)“ mit Hallenspielen wirbt, die den Namen „Fortnite“ oder „Diablo III“ tragen sollen und hierzu einen maskierten Kämpfer mit Munitionsgürtel abbildet. Denn Fortnite ist in der Basisversion, bei der gegen computergesteuerte Zombies gekämpft wird, erst ab einem Alter von 12 Jahren freigegeben. Die bei Nintendo erhältliche Version „Battle Royale“ (die besonders beliebt ist), wurde von der USK mit einer Freigabe ab 16 Jahren versehen. „Diablo III“, mit dessen Logo die ft junior wirbt, ist grundsätzlich erst für Jugendliche ab 16 Jahren erlaubt.

    Muss der DFB mit einem Kämpfer mit Munitionsgürtel werben?

    Beide Spiele sind nur deshalb für Jugendliche ab 16 Jahren freigegeben und nicht mit USK18 versehen, weil in den Kampfszenen kein Blut oder allzu realistische Tötungsszenen zu sehen sind. Grundsätzlich werden in beiden Spielen aber lebensechte und realistisch dargestellte Figuren getötet, hinter denen sich andere Online-Spieler verbergen. Wie ein Spieler mit einer Schnellfeuerwaffe auf andere Spieler schießt, gehört gleichwohl nicht zu den Dingen, die sich sorgsame Eltern im Kinderzimmer wünschen. 

    Daher stellt sich die Frage, was der Mehrwert sein kann, wenn TrainerInnen ihren Schützlingen der G- oder F-Jugend zurufen, sie würden jetzt Fortnite spielen oder ihre D-Jugend zum Hallentraining durch die Analogie zu Diablo III animieren? Gewiss, die Kids werfen sich in den Spielen nur mit Bällen ab, das kennen wir vom sog. „Völkerball“ genauso wie vom Brennball und anderen Sportspielen.

    TrainerInnen sind Vorbilder - aber nicht für Ballerspiele

    Signalisieren TrainerInnen dann aber nicht als Vorbilder, dass das Spielen solcher Videospiele Normalität ist und damit auch altersgerecht sei? Sind TrainerInnen nicht jene Erwachsene, die ihren SpielerInnen den richtigen Kompass mitgeben sollen und sollte dieser Kompass bei Achtjährigen auf Baller- und Kampfspiele weisen, deren wesentlicher Gehalt das Töten Anderer ist, um Spielziele zu erreichen?

    Natürlich wird einzuwenden sein, dass ein Teil der Minderjährigen auch ohne solche Analogien Fortnite und andere altersunangemessene Spiele spielt. Das kann auch der DFB nicht verhindern. Aber muss der DFB bei G-Jugend-Trainern dafür werben, Kinder für diese Spiele indirekt oder direkt zu begeistern? Muss es Eltern behaglich sein, wenn ihr siebenjähriges Kind vom Training mit der Aussage nach Hause kommt, dass es auf seiner Konsole unbedingt Diablo III spielen und Monster abknallen will? Wohl kaum. Um so bedrohlicher muss der Einleitungssatz des Autors des DFB-Magazins zum entsprechenden Kapitel wirken. Der Aufruf an die TrainerInnen lautet wortwörtlich: „Die Kids werden euch dafür lieben!“.

    Ganz ehrlich – hoffentlich nicht.